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Tradition / Brauchtum
So wie in fast jeder ländlichen Gegend gibt es auch in Buchenberg eine Reihe lieb gewonnener Traditionen und Brauchtümer, die schon seit vielen, vielen Jahren bestehen und schon von den Großeltern und Urgroßeltern übermittelt wurden.
„Schottencleves“ am 6.Dezember
Weihnachtsspiel der Kinder
Neujahrssingen
Osterfeuer
Hexennacht
Maibaumaufstellen
Kirmes
„Wenn die Hochzeitsglocken läuten“
Schotencleves
Vor 1900 waren die Burschen mit Kneipeseln (Masken) an Heiligabend unterwegs. Er hat die kleinen Kinder gepackt und gekniffen. Die Kinder sind vor lauter Angst unter ihr Bett gekrabbelt. Auch heute haben die Kinder noch Angst vor dem „Schotencleves“.

Seit 1975 wird der „Schotencleves“ nicht mehr an Heiligabend durch den Ort geführt, sondern am Nikolaustag, dem 6. Dezember. Die „alten“ Buchenberger waren teilweise erbost darüber, denn eine alte Tradition durfte in ihren Augen nicht gebrochen werden. Heute spricht kein Mensch mehr darüber.
Eine jahrzehntelange Tradition pflegt die Jugend alljährlich in der Vorweihnachtszeit. Der „Schotencleves“ ein restlos mit Stroh verkleideter junger Buchenberger, zieht mit lautem Gejohle durch die Straßen des Ortes. Schon Wochen vorher wird mit den Vorbereitungen begonnen. Unter Anleitung der „Älteren“ wird das Stroh zu langen Rollen gewickelt und dem „Schotencleves“ am Abend des Nikolaustages angelegt.
Die Rolle des Strohbären übernimmt jedes Jahr ein anderer Buchenberger Bursche. Etwa ein Zentner wiegt das Gewand des „Schotencleves“. Für den fast 3 km langen Weg wird viel Kraft gebraucht. Der Strohbär wird bei seinem Rundgang durchs Dorf von den Jugendlichen begleitet. Nach alter Tradition dürfen auch keine Mädchen dabei sein. Jedes Jahr nach der Konfirmation kommen neue Jungs hinzu und wenn sie nach ein paar Jahren keine Lust mehr haben, hören sie wieder auf.
Dunkel verkleidet und früher auch vermummt, wird der „Schotencleves“ von seinen Freunden mit Geschrei und Gejohle unterstützt. Mit rasselnden Dosen wird an jeder Haustür von den Jüngsten geklingelt und Geld eingesammelt. Das Ziel des Strohbären ist traditionell eine der örtlichen Gaststätten. Dort darf der Träger sein Gewand ablegen.
Das Stroh wird später mitten auf der Straße angezündet und die jungen Burschen springen durch die Flammen, so wie es ihre Großväter und Väter schon taten. Die Feier endete nach einem gemeinsamen Abendessen meistens erst spät in der Nacht. Das verbrannte Stroh wird noch am selben Abend zur Seite geräumt.

Anmerkung:
Einmal sagte ein Vater zu seinem Sohn der das erste Mal beim Schotencleves dabei war:
„Junge wenn dir das Bier nicht mehr schmeckt, dann kommst du nach Hause.“
Weihnachtsspiel der Kinder
Kurz vor Weihnachten wurde von den Schulkindern immer ein Theaterstück aufgeführt. Bis Ende der 80er Jahre spielten alle Schulkinder vom ersten Schuljahr an mit.
Am Anfang sangen alle Kinder zusammen ein Lied. Die Kinder aus dem 1. und 2. Schuljahr sagten danach ein Gedicht auf und alle anderen Kinder spielten teilweise verkleidet in einem schon etwas längeren Theaterstück mit. Den Kindern hat es immer viel Spaß gemacht und sie waren sehr aufgeregt.
Für die Kinder war es damals eine Selbstverständlichkeit, das bis zur Konfirmation mitgespielt wurde. In der heutigen Zeit hat sich schon einiges geändert, es gibt nur noch ein Theaterstück. Es spielen sehr viele kleine Kinder mit und große Kinder sind kaum noch als Mitspieler beim Theater zu sehen.
Abwechselnd in jedem Jahr umrahmen der Männergesangverein und der Musikverein die Theatervorführung mit Weihnachtsliedern.
Der Nikolaus kommt mit lautem Anklopfen heute noch genauso wie früher kurz nach dem Theater mit der Rute und einem voll gepackten Sack auf die Bühne. Da die Geschenke für die Kinder nicht alle in den Sack passen, werden von den größeren Kindern die restlichen Geschenke in Körben auf die Bühne getragen.
Die Kinder werden vom Nikolaus aufgerufen und er hört auch gerne ein Gedicht von ihnen, welches sie vorher mit ihren Eltern eingeübt haben. Er hat immer ein großes goldenes Buch dabei, wo er sowohl gute als auch weniger schöne Dinge aufgeschrieben hat.
Zum Abschluss singen alle zusammen ein Weihnachtslied.
Gedichte:
Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier,
dann steht das Christkind vor der Tür. (so lautete es früher)
Und wenn das fünfte Lichtlein brennt, dann haste Weihnachten verpennt.
(so endet das Gedicht heute hin und wieder, so ändern sich eben die Zeiten!)
Denkt euch ich habe das Christkind gesehen, es kam aus dem Walde das Mützchen voll Schnee. Mit rot gefrorenem Näschen, die kleinen Händchen taten ihm weh.
Denn es trug einen Sack der war gar schwer, schleppte und polterte hin hinter sich her.
Was drin war möchtet ihr wissen, ihr Naseweis, ihr Schelmenpack?
Denkt ihr es war offen der Sack? Zugebunden bis oben hin, es war gewiss etwas schönes drin.
Es roch so nach Äpfeln und Nüssen.
Neujahrssingen
Ein alter Brauch der Buchenberger Jugend ist es in der Neujahrsnacht von Haus zu Haus zu gehen um den Bewohnern ein frohes, neues Jahr zu wünschen.
Vor jedem Haus wünscht ein anderer Buchenberger Jugendlicher:
Prost Neujahr!
Wir wünschen der Familie ………. ein glückseliges neues Jahr,
frei von Leid, frei von Streit, frei von Widerwärtigkeit.
Wir wünschen’s euch, Gott gebe es euch.
Friede, Gesundheit und ein ganz ganz langes Leben.
Zusammen singen dann die Jugendlichen:
Und wir wünschen euch, und wir wünschen euch, ein glückseliges neues Jahr,
Herrn und Frauen, Herrn und Frauen, Herrn und Frauen in diesem Haus.
Und wir wünschen euch, und wir wünschen euch, ein glückseliges neues Jahr,
Herrn und Frauen, Herrn und Frauen, Herrn und Frauen in diesem Haus.
Am Morgen des 1. Januar gehen sie nochmals von Haus zu Haus und wünschen jeder Familie persönlich ein frohes neues Jahr. Dabei wird mit einem Schnaps angestoßen.
Oft bekommen die Neujahrssänger zu hören:
„Ich habe gerade erst eine Tablette eingenommen, trinkt ihr den Schnaps lieber für mich.“
Dann trinkt einer der Sänger den Schnaps auf das Wohl der Familie.
Als Dank für die guten Wünsche bekommen die Sänger einen kleinen Obolus, der hinterher in den Buchenberger Kneipen in Essen und Getränke umgesetzt wird.
Anmerkung:
Wenn es im abgelaufenen Jahr einen Trauerfall in einer Familie gab, wurde nur gewünscht und nicht gesungen. Dies hat sich bis heute nicht geändert.
Osterfeuer
Früher haben die ältesten Schuljahre Holz und alte Reifen gesammelt und das Osterfeuer auf dem „Rabenköppel“ entzündet. Aus Umweltschutzgründen wurde das Osterfeuer mehrere Jahre zwischen den Wegen, Richtung Balzerstal, abgebrannt. Es gab weder Getränke noch etwas gegen den Hunger.
Danach wurde das Osterfeuer auf dem „Heßler“ (neben dem Sportplatz) abgebrannt. Die Buchenberger Vereine wechselten sich einige Jahre mit der Ausrichtung ab, bevor es die Freiwillige Feuerwehr übernahm.
Inzwischen wird genügend Baumschnitt für das Osterfeuer kurz vorher auf den Heßler gefahren. Das Osterfeuer wird mit den ausgedienten Weihnachtsbäumen verkleidet, die die Jugendfeuerwehr jedes Jahr nach Neujahr einsammelt.
Die Feuerwehr führte den Fackelzug zum Osterfeuer ein. Der Fackelzug beginnt am Feuerwehrgerätehaus und geht bis zum Osterfeuer. In der Winterzeit ist dies ein schöner Anblick, wenn sich im Dunkeln der Fackelzug durch den Ort bewegt. Das Osterfeuer wird mit den Fackeln der Kinder entzündet.
Sobald das Osterfeuer ein wenig abgebrannt ist, werden einige schwarz verkohlte Äste aus dem Feuer gezogen. An den Ästen machten sich die Kinder die Hände schwarz, um andere im Gesicht schwarz zu machen. Das Schwarzmachen ist ein toller Spaß und hin und wieder werden auch die Erwachsenen noch einmal zu Kindern.

Für das leibliche Wohl wird mit Steaks und Würstchen vom Grill gesorgt und bei frisch gezapften Bier und so mancherlei Schnaps kann das Osterfeuer auch schon mal bis in die Morgenstunden dauern.
Es kann auch schon einmal passieren das in den frühen Morgenstunden noch irgendwo in Buchenberg eingekehrt wird und dort Eier gebacken werden, dies passiert aber nicht nur an Ostern.
Hexennacht
Früher war die Hexennacht in Buchenberg noch etwas Besonderes. Es wurde von den Einwohnern noch nicht so viel vor den Hexen versteckt. Denn das Verstecken war da noch die Aufgabe der „Hexen“. Gehext wurde immer in der Nacht zum 1. Mai.
Es wurde so mancher Unfug gemacht und Sachen verschleppt, z. B.:
- eine Schaukel stand auf einer Flachdach-Garage
- Sitzgruppen wurden an anderer Stelle wieder aufgebaut
- Blumenkübel wurden verschleppt
- einen Mistwagen fand man mit frischem Mist beladen auf einem Dach wieder
- Kutschwagen sollte versteckt werden, landete aber im Teich
- Gartentürchen wurden ausgehängt u.s.w.
Das Jahr 1993 ist den Jungs von damals in schlechter Erinnerung geblieben. Genau in dem Moment wo sie einen Wagen vom Hof eines Bauern schieben wollten, kam dieser mit einer Peitsche aus dem Haus und erwischte zwei von ihnen und schlug zu. Die anderen schoben den Wagen so schnell sie konnten vom Hof zum Spielplatz an der Frase. Mehrere Tage stand der Wagen auf dem Spielplatz.
Im nächsten Jahr stellten die Jungs in der Hexennacht ein Kreuz beim Maibaum auf mit der Inschrift: „Zum Gedenken an die Opfer vom 1. Mai 1993“. Viele Auswärtige die das Kreuz gesehen hatten, haben sich Gedanken gemacht, was da wohl passiert sein könnte. Die Buchenberger wussten aber sofort was damit gemeint war.
Manch’ Buchenberger stellte eine Flasche Schnaps bereit, damit ihr Grundstück von den Unwesen der Hexen verschont blieb.
Bis heute wird jedes Jahr noch auf die Kreuzung „Zur Sasselbach/Kirchtalstraße“ ein Kreis aus Sand gestreut. Im Kreis steht dann das aktuelle Datum: 1. Mai 2005.
Gelegentlich streuten die Hexen ein Pfädchen aus Sand oder Sägemehl. Alle wussten dann dass es wieder ein neues Liebespärchen im Dorf gab.
Aufstellen des Maibaums
Im Jahr 1990 wurde zum ersten Mal in Buchenberg ein Maibaum aufgestellt. Ins Leben gerufen wurde dieses Ereignis vom Verein Aktives Buchenberg. Die Idee stammte von der damaligen 1. Vorsitzenden Marie-Luise Humpert.
Die Jugendlichen von Buchenberg strichen einen Baumstamm mit zwei Farben an. Die Mädchen wickelten einen Kranz und an ihm wurden bunte Bänder befestigt.
Zu Anfang marschierte die Jugend am 1. Mai ohne Musik Richtung Bushaltestelle. Heute marschieren der Musik- und Gesangverein mit. In den ersten Jahren wurde der Maibaum, auf der Rasenfläche, wo heute der Glockenturm steht, aufgestellt.
Nach dem Bau des Glockenturms wurde der Maibaum auf der gegenüberliegenden Seite (vor Kunrots) aufgestellt.
Zu Anfang wurde der Maibaum von den Jungs mit den Händen nach oben gestemmt und von der anderen Seite mit Seilen sichert. Der Kranz war zuvor am Maibaum befestigt.

Heute wird der Maibaum mit Gabeln von den Jungs hochgestemmt und in einer speziellen Bodenverankerung befestigt.
Mittlerweile ist die Maibaumaufstellung ein fester Bestandteil zum Tanz in den Mai des Männergesangvereins Buchenberg
Kirmes
Gefeiert wird von den „Röjjelingen“ alle zwei Jahre ihre schon traditionelle Kirmes. Sonntags schlängelt sich ein ideenreicher Festzug mit vielen Motivwagen und Fußgruppen durch den Ort. Dieser Kirmesfestzug kann sich sehen lassen, man kann sagen es ist einer mit der Schönsten im ganzen Landkreis und das ist nicht gelogen.
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Hochzeiten in Buchenberg
Noch in den 50er Jahren wurde am Samstag standesamtlich geheiratet und am Sonntag kirchlich.
In der Heiratsurkunde der Eheleute Küthe steht geschrieben:
Der Landwirt und Fuhrunternehmer Georg Adam Küthe, geboren am 25. November 1926 in Altenlotheim und die ledige Haustochter Meta Zarges, geboren am 28. Oktober 1926 in Buchenberg, haben am 14. Juli 1951 vor dem Standesamt Kirchlotheim die Ehe geschlossen.
Zum Standesamt sind Meta und Georg mit den nächsten Angehörigen mit dem LKW gefahren. Nach dem Standesamt wurde noch nicht so gefeiert wie heute, es wurde nur Kaffee getrunken.
Kirchlich getraut wurden Meta und Georg am 15. Juli 1951 von Pfarrer Fischer.
Gefeiert wurde hier noch nicht in einem Gasthaus. Zuhause wurden 3 Stuben ausgeräumt. Das Hochzeitsessen wurde in der eigenen Küche gekocht, der Salat unterm Birnenbaum gelesen, der Pudding im Brunnenhäuschen gekühlt und gespült wurde hinterm Haus.
Die Hochzeit war ein schönes Fest, es gab auch genügend Schnaps und Bier. Das Fässchen Bier stand im Flur, denn in den Räumen war kein Platz mehr.
Der Packwagen von Georg wurde erst nach der Hochzeit nach Buchenberg geholt, denn den Platz brauchten sie erst noch zum Feiern der Hochzeit.
Genauso wie früher wird auch heute noch ein Seil von den Kindern des Ortes über die Straße gespannt, wenn die Brautleute nach der standesamtlichen oder kirchlichen Trauung zum Feiern nach Hause kommen. Weiter fahren durften sie erst wenn sie Bonbons und Münzen geschmissen hatten.
Gegen Abend wurden und werden heute noch die alten Buchenberger Hochzeitslieder von der Jugend gesungen. Vor und nach dem Singen schweppen drei Männer aus dem Ort mit Peitschen. Dies ist ein alter Brauch, der die bösen Geister vertreiben soll.
Anmerkung: In der heutigen Zeit wird meistens mittwochs oder donnerstags standesamtlich geheiratet und anschließend ein Polterabend gefeiert. Die kirchliche Trauung findet dann meistens am nächsten Samstag statt. Etwas neuer ist das Feiern einer Polterhochzeit. Heute befindet sich das Standesamt im Vöhler Steinhaus.
Die kleinsten Hochzeitsgäste streuen heute beim Auszug aus der Kirche Blumen und die Vereine in denen die Brautleute Mitglied sind, stehen Spalier um das Brautpaar zu gratulieren.
Die Brautleute werden mit einem mit Blumen geschmückten Auto oder einer Kutsche zur Tagesadresse gefahren. Zuerst bekommt das Brautpaar einen Schnaps. Die Pinchen werfen die frisch Vermählten hinter sich, denn Scherben bringen Glück.
Um das gemeinsame Miteinander und das Teilen zu lernen, bekommen sie nur einen Teller von dem sie sich ihr Essen teilen.
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